David P. Graham
Das Märchen vorbei (1995)
für Sopran (Mezzosopran) und Akkordeon

Zur Uraufführung seines Werkes Das Märchen vorbei äußerte der Komponist folgendes:

Angesichts der Einsamkeit, der Traurigkeit, der furchtbaren Schicksalsschläge, die das Leben von Rose Ausländer gestaltet haben, waren es ihr Optimismus, ihre dichterische Einfachheit, ihre schier unglaubliche Art, Schuldzuweisungen oder persönliches Klagen so bescheiden darzustellen, daß sie allgemeine Bedeutung bekommen und über das Europa des Zweiten Weltkrieges hinweg sprechen – wohl dieser Optimismus, die Einfachheit und Bescheidenheit waren es, die mich nach langen Lesestunden am tiefsten Ansprachen.

Andere Frauen als die Dichterin haben hier (wenn auch nur im Hintergrund) mitgewirkt: Stefanie Wüst, deren Weill-CD mich so begeistert hat, daß ich unbedingt versuchen wollte, hier eine für mich wichtige Verbindung zwischen Kurt Weill und mir selber, zwischen Chansons und der Moderne, jawohl: zwischen Popularisierung und Ernsthaftigkeit zu schließen. Mir ist bewußt, daß andere dies versucht haben. Aber so konnte ich die Einfachheit und vielleicht auch den Optimismus der Rose Ausländer musikalisch spiegeln.

Die Stücke sind Stefanie Wüst und Edwin Buchholz (dessen Instrument ich versucht habe, typisch und dankbar zu verwenden – die Lieder sind nicht am Klavier spielbar) gewidmet.

Die Auswahl der Gedichte traf ich selber. Ich stellte mir vor, Rose Ausländer erwartet Gäste. Sie ist am Ende ihres Lebens, in einem bescheidenen Zimmer im Altenheim in Düsseldorf. Was ihr an Erinnerungen übrig geblieben ist, ist „Das Märchen vorbei”.

Das Märchen vorbei wurde im Rahmen eines Konzertes Musik für Zungeninstrumente (= Außer der Reihe 3) in der Tonhalle Düsseldorf am 1. März 1996 uraufgeführt. Für die verhinderte Widmungsträgerin übernahm Christina Ascher den Gesangspart, Akkordeon spielte Edwin Alexander Buchholz.


ISMN: M-50010-044-7
28 Seiten 
Preis: € 10
© 1997